Der Grüne Kardamom (Elettaria cardamomum)

Kardamom ist eine Pflanze, die zu den Ingwergewächsen gehört und vor allem in Indien sowie in anderen südostasiatischen Ländern beheimatet ist. Die stark würzigen Kapselfrüchte werden als Küchengewürz sowie als Naturheilmittel genutzt. Hierbei wird zwischen dem Malabarkardamom sowie dem als weniger wertvoll geltenden Ceylonkardamom unterschieden.

Was kann Kardamom?

Kardamom ist in Mitteleuropa nach wie vor ein echter Exot, mit dem sich viele Köche noch etwas schwer tun. Eigentlich sollte dies verwundern, denn Kardamom hat die gleiche Heimat wie Pfeffer und könnte daher genau wie dieser längst in Europa etabliert sein. Doch während der Pfeffer neben seiner Schärfe mit einer recht erdigen, säuerlichen, aber nicht zu üppigen Aromatik punktet, die sich anderen Geschmäckern durchaus unterzuordnen weiß, ist der Kardamom deutlich opulenter und wuchtiger.

Sein Geschmack hat kleine Anklänge von Zimt, wird aber gerne auch als holzig, blumig, balsam- und kampferartig beschrieben, wobei eigentlich ein jeder etwas anderes aus dem Kardamom herausschmeckt. Als Gewürz duldet er andere starke Aromen wie den bereits benannten Pfeffer, aber auch Ingwer, Sternanis, Gewürznelken, Knoblauch, Safran oder Muskat nahezu gleichberechtigt an seiner Seite.

Er tritt aber ungern beiseite, um anderen Gewürzen das Thema zu überlassen. In orientalischen Ländern wird er auch gerne zur Aromatisierung von Kaffee verwendet. Und selbst die kraftvolle Aromatik des gemahlenen Kaffees bekommt durch die Würze des Kardamoms eine ganz neue Richtung.

Die stark würzenden ätherischen Öle des Kardamoms sind es auch, denen heilende Kräfte zugeschrieben werden. So wirkt Kardamom krampflösend und verdauungsanregend, was man übrigens bereits im Mittelalter wusste und schätzte.

Außerdem deuten Forschungsansätze darauf hin, dass Kardamom auch die Konzentration und die Gedächtnisleistung im Allgemeinen unterstützen kann. Immer mehr Menschen schwören darauf, Kardamomkapseln vor oder während schwieriger Prüfungen zu zerkauen, um sich dadurch eine Art natürliches Doping zu verabreichen.

Wo bekomme ich Kardamom her?

Einige Gewürze und Kräuter wie Pfeffer, Paprika, Basilikum oder Dill findet man in jedem Supermarkt im Gewürzregal. Nach dem Kardamom muss man dort zuweilen etwas länger suchen, was sich aber auch recht einfach erklären lässt: Der kapriziöse Kardamom findet hierzulande nur in vergleichsweise wenigen Gerichten Verwendung. Während er also in keiner orientalischen Küche fehlen darf, stehen deutsche Köche manchmal etwas irritiert davor und wissen nicht, wie sie dieses Gewürz eigentlich verwenden.

Durch einen Trend zu immer exotischeren Rezepten bekommt aber auch der Kardamom eine ganz neue Rolle im Gewürzregal zugebilligt. Immer mehr Supermärkte nehmen die Kardamomkapseln daher in ihr Gewürzsortiment auf. Allerdings muss man dort zumeist recht hohe Geldbeträge auf den Tisch legen. Wer sparen möchte, kann Kardamom aber auch in orientalischen Lebensmittelgeschäften oder am Gewürzstand auf dem Markt bekommen.

Auch online findet man unter dem Stichwort Kardamom zahlreiche Angebote. Um hinsichtlich der Qualität auf Sicherheit zu setzen, sollte man Kardamom allerdings nur bei einem vertrauenswürdigen Händler kaufen. Dort kann man davon ausgehen, dass die angebotenen Kardamomkapseln frei von Pestiziden und anderen Giftstoffen sind und daher mit gutem Gewissen konsumiert werden können.

In diesem Zusammenhang wird übrigens auch immer wieder davon abgeraten, in orientalischen Ländern auf einem Markt oder im Basar Kardamom (genau wie andere Gewürze auch) zu kaufen. Denn da Touristen die Qualität der dargebotenen Waren oft nicht ermessen können, ihnen das Geld aber tendenziell recht locker sitzt, werden dort immer wieder auch minderwertige Produkte verkauft. 

Wie wendet man Kardamom an?

Kardamom wird selten gemahlen, sondern fast immer als getrocknete Kapsel angeboten. Dies liegt an der Tatsache, dass die darin enthaltenen ätherischen Öle durch das Zermahlen sehr schnell verfliegen und die Würzkraft daher deutlich darunter leidet.

In der Küche gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Kardamom zu verwenden. Wer eine möglichst kräftige Kardamomnote erreichen möchte, der röstet die Kapseln in einer fettfreien Pfanne kurz an, um sie anschließend zu öffnen oder zu zermahlen. Die Hitze trägt dazu bei, dass sich die ätherischen Öle gut entfalten und ihr Aroma freigeben können. Bei gemahlenem Kardamom hat man natürlich die Freiheit, das Pulver ganz nach eigenem Gusto zu dosieren. Wenig Pulver verleiht dem Gericht also eine äußerst dezente Kardamomnote, die sich aber auch durch die Zugabe einer leicht geöffneten Kapsel während des Kochens (und deren Entnahme vor dem Servieren) erreichen lässt.

Aus der indischen Küche ist Kardamom nicht wegzudenken. Hier ist er fester Bestandteil des traditionellen Gewürztees Chai, hat aber auch in diversen Reis- und Geflügelgerichten seinen festen Platz. Jede Kochkultur hat ihre eigenen, bestimmenden Gewürze. Neben Kurkuma und Ingwer gehört Kardamom auf dem Subkontinent zu den Aromen, die nirgendwo fehlen dürfen. Das warme, scharfe, würzige Aroma der indischen Küche wird durch den gezielten Einsatz dieser Ingredienzien definiert – und verhilft ihm auch in Europa zu immer größerer Beliebtheit.

Die Skandinavier schätzen Kardamom übrigens so sehr, dass man denken könnte, er wäre im Norden Europas beheimatet. Hier kannten ihn schon die Wikinger – und auch heute wird er noch zum Aromatisieren von Pfefferkuchen, Fisch oder Fleisch verwendet.

Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt ist die verdauungsfördernde Wirkung des Kardamoms. Auch dies ist ein Grund, dass er sehr gerne als Gewürz eingesetzt wird, denn so liegt das gesamte Gericht nicht so schwer im Magen. Einige asiatische Restaurants bieten Kardamomkapseln zum Kauen sogar als Verdauungsförderung nach der Mahlzeit an – was mehr im Sinne der meisten Ernährungsexperten als der sogenannte Verdauungsschnaps.

Was würzt man mit Kardamom?

Kardamom ist zwar sehr opulent und tonangebend, erweist sich aber dennoch als sehr spannendes und vielseitiges Gewürz. Solange andere Gewürze ihm nicht komplett den Rang ablaufen wollen, fügt er sich gerne in die verschiedensten Gerichte mit ein. Tendenziell lässt sich unterscheiden zwischen dem grünen Kardamom, der eher in der süßen Küche eingesetzt wird, und dem schwarzen Kardamom, der auch deftigen Gerichten eine exotische Note verleiht. Beide Kardamom-Sorten können aber zumindest teilweise gegeneinander ersetzt werden.

In Deutschland würzt man mit Kardamom besonders gerne in der Weihnachtszeit. Ob Kuchen, Kleingebäck oder Glühwein: Die wärmenden ätherischen Öle des Kardamoms können jetzt einfach am besten glänzen und sorgen für ein inneres Wohlgefühl.

Für die indische Küche ist Kardamom von fundamentaler Bedeutung. Hier wird er am liebsten frisch im Mörser zerstoßen, um dann diverse Currys, Geflügelgerichte oder auch veganen Gemüsegerichten zu geschmacklichen Highlights zu machen. In diversen Gewürzmischungen, die oft als „indisches Curry“ bezeichnet werden, ist Kardamom ein wichtiger Bestandteil.

Auffällig ist, dass Kardamom vor allem im nördlichen Europa beliebt ist, etwa in Skandinavien oder in Großbritannien (wo es kaum eine Kleinstadt ohne indisches Restaurant gibt). Dies ist allerdings verständlich, da Kardamom nur schwierig mit typisch mediterranen Gewürzen wie Basilikum, Rosmarin oder Thymian harmoniert, die ebenfalls mit starken ätherischen Ölen und kraftvollen Aromen beeindrucken.

Grüner Kardamom
Grüner Kardamom

Was kann man als Ersatz für Kardamom nehmen?

Kardamom weist eine recht komplexe Aromatik auf, die sich natürlich nicht vollständig durch andere Kräuter beziehungsweise Gewürze ersetzen lässt. Trotzdem gibt es, je nach zu kochendem Gericht, durchaus einige „Notlösungen“, wenn man gerade keinen Kardamom im Haus hat. Beispiele dafür sind die folgenden.

  • Zimt und Gewürznelken: Die Mischung von Zimt und Gewürznelken im Verhältnis 1:1 kommt vergleichsweise dicht an den Kardamomgeschmack heran. Daher kann diese Mischung den Kardamom nahezu überall ersetzen.
  • Zimt und Ingwer: Dies ist quasi die südostasiatische Entsprechung der Zimt-Nelken-Mischung. In indischen Currys darf man dieser Mischung gerne den Vorzug geben.
  • Zimt und frisch geriebene Muskatnuss: Für orientalische Fleisch- und Reisgerichte bietet sich diese Mischung besonders an.
  • Piment: Der Pimentpfeffer ist das Einzelgewürz, das aromatisch wohl am dichtesten an den Kardamom herankommt. Freunde der asiatischen Küche spielen gerne auch mit beiden Gewürzen gemeinsam – oder ersetzen den Kardamom notfalls durch den Piment, der sich fast immer als würdiger Vertreter erweist.

Ganz grundsätzlich gilt: Wenn Kardamom ersetzt werden muss, weil man ihn gerade nicht im Hause hat, sind die beschrieben Gewürze beziehungsweise Gewürzmischungen allen künstlichen Aromastoffen immer vorzuziehen.

Ist Kurkuma und Kardamom das gleiche?

Kurkuma und Kardamom sind zwar beide orientalischer beziehungsweise südasiatischer Herkunft, haben ansonsten aber wenig miteinander zu tun. Beim Kurkumagewürz handelt es sich um das Rhizom einer Pflanze, das mit seiner bitter-herben Note und der kraftvollen, orange-gelben Farbe beeindruckt.

Fälschlicherweise wird Kurkuma manchmal auch als Färberwurzel bezeichnet, doch dabei handelt es sich um eine ganz andere Pflanze (Färberkrapp). Mit seinen holzigen, erdigen, teilweise ingwerartigen und leicht pfeffrigen Aromen passt Kurkuma zu sehr vielen asiatischen Gerichten und sorgt oft auch für die charakteristische Farbe derselben. Seit einiger Zeit weiß man auch um die antioxidative und zellschützende Wirkung von Kurkuma, wobei die Wissenschaft hier noch weitere Erkenntnisgewinne erwartet.

Kardamom hingegen ist die Kapselfrucht eines Ingwergewächses. Diese Frucht weist gänzlich andere Aromen auf als die Kurkumawurzel, außerdem werden ihr in medizinischer Hinsicht ganz andere Eigenschaften zugeschrieben: Kardamom gilt vor allem als verdauungsfördernd und soll gerade bei Männern die Libido anregen. Beides ist auf die natürliche Schärfe der Kardamomkapsel zurückzuführen.

Was sich allerdings festhalten lässt, ist eine gewisse „Aroma-Freundschaft“ von Kardamom und Kurkuma. Da sie ihre Stärken jeweils in ganz unterschiedlichen Bereichen ausspielen können, sorgen sie gemeinsam für ein wahres Aroma-Feuerwerk. Insbesondere in der indischen und fernöstlichen Küche schwört man auf die Kombination der beiden in Europa noch zu oft unterschätzten Exoten.

Meisterköche bringen beide Würzkünstler erst unmittelbar vor dem Kochen zusammen, man kann sie aber auch gemeinsam als Bestandteile des sogenannten Currypulvers finden: Kurkuma hat darin seinen festen Platz, Kardamom hingegen findet sich nur manchmal auf der Zutatenliste.

Fazit: Wie wendet man Kardamom an?

Die Dosierung von Kardamom als Gewürz ergibt sich natürlich immer aus dem zu kochenden Gericht und der Menge der Portionen. Hier gilt natürlich wie bei jedem anderen Gewürz auch: Lieber vorsichtig dosieren und bei Bedarf noch etwas nachwürzen. Nur so lässt sich eine mögliche „Überwürzung“ verhindern.

Als Heilpflanze kann Kardamom in vielen Aspekten überzeugen. So werden ihm mittlerweile zahlreiche Wirkungen attestiert oder zugeschrieben. Demnach wirkt Kardamom

  • antibakteriell
  • antiviral
  • antifugal
  • durchblutungsfördernd
  • entzündungshemmend
  • entkrampfend
  • schleimlösend
  • harntreibend
  • verdauungsfördernd

Auch beim Kardamom sind sich die Fachleute sicher, ihm noch nicht alle Geheimnisse entlockt zu haben. Es ist jedenfalls sehr gut nachvollziehbar, warum Kardamom nicht nur in der Küche, sondern auch in der Heilkunst schon vor Jahrhunderten als Wunderkapsel gepriesen wurde – übrigens nicht nur in Südasien, sondern auch in Europa. Noch heute gehört Kardamom zu den teuersten Gewürzen, zur damaligen Zeit dürfte er für die meisten Menschen der Normalbevölkerung gänzlich unerschwinglich gewesen sein.

Die beschriebene therapeutische Wirkung setzt in einigen Hinsichten bereits beim Konsum kleinster Mengen ein. Häufig wird als wirksame Dosis aber von zwei Teelöffeln frisch im Mörser zerstoßener Kapseln gesprochen.

Als Nebenwirkung muss auf die enthaltenen Alkaloide hingewiesen werden, die Schleimhautreizungen verursachen können. Daher sollte man beim Verarbeiten an den besten Handschuhen tragen und sich hinterher gründlich die Hände waschen. Zudem sollte das Pulver nicht eingeatmet werden. Eine Überdosierung durch überwürzte Nahrung oder pur geschlucktes Kardamompulver könnte zu einer Reizung der Magenschleimhaut führen. Allerdings verfügt der menschliche Organismus hier über eine meistens gut wirksame Notbremse: Bevor etwas schlimmeres angerichtet wird, wird die Überdosis wieder erbrochen.

Wer bisher noch keinen Kardamom kennt, sollte sich am besten langsam an ihn herantasten. So kann man sich an den Geschmack und den Organismus an seine Wirkung gewöhnen. 

Rezept: Möhrchen mit Kardamom und Gewürz

  • 600 g Möhren
  • 3 EL Olivenöl
  • 4 Lorbeerblätter
  • 5 Pimentkörner,
  • 2 getrocknete Chilischoten
  • 1 Msp Anis, einige Kardamomkapseln
  • 2 dcl Orangensaft
  • Meersalz
  1. Möhren schälen und in Scheiben schneiden. Gewürze im Olivenöl anschwitzen, dann die Möhren zugeben und 8 bis 10 Minuten dünsten – sie können gern noch ein bisschen knackig sein.
  2. In eine Schüssel füllen und abkühlen lassen. Gewürze dazu geben, Orangensaft darüber geben und mit Salz abschmecken.

Christina Koch

Schon viele Jahre beschäftige ich mich mit dem Thema Sport und gesunde Ernährung. Da durfte das Thema Kochen natürlich nicht fehlen. Diesen Blog habe ich als Sammlung für Rezepte gestartet. Dazu gebe ich Euch viele Ratschläge zu häufig gestellten Fragen zum Thema Kochen und backen, Küchenmaschinen und Kochgeräten. Außerdem findet ihr die neuesten Trends zum Thema Ernährung, Küche & Lifestyle.

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