Vegan leben – gesunder Verzicht. Vorteile & Nachteile

Vegan leben – gesunder Verzicht auf tierische Produkte. Wir zeigen die Vorteile & Nachteile auf und wie man als Veganer ethisch und nachhaltig leben kann. Worauf muss man bei einer veganen Ernährung achten, welche Kosmetik und Kleidung gehört zum Veganismus?

Während der Vegetarismus bereits bei den antiken Griechen philosophisch diskutiert wurde, fand der Aufschwung des Veganismus hauptsächlich im 20. Jahrhundert statt. Besonders nennenswert sind dabei das Jahr 1944 und Donald Watson, der die Vegan Society von der Vegetarian Society abspaltete.

Dass dies vorher noch nicht geschehen war, verwundert insofern nicht, als Massentierhaltung, – ethik und -rechte, Welternährungsprobleme, Umwelt- und Klimaschutz sowie weitere ähnliche Faktoren erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts zu gesellschaftlich breit diskutierten Themen wurden. Außerdem waren bis dahin die meisten Menschen eher Ovo-Lacto-Vegetarier und verzichteten auf Fisch und Fleisch, nicht aber auf Eier oder Milch.

Video: VEGAN – 10 Tipps für Anfänger

So betrachtet, kann man in Bezug auf den Vegetarismus von deutlich mehr als einer reinen Ernährungsform sprechen. Vielmehr ist er eine Lebensphilosophie, die auf die Vermeidung von tierischem Leid abzielt und bei der der möglichst konsequente Verzicht auf tierische Produkte aller Art im Mittelpunkt steht. Deswegen überrascht es nicht, dass die deutschen Veganerzahlen mit knapp 1 Million im Vergleich zu denen der Vegetarier (gut 7,8 Millionen) deutlich geringer ausfallen.

Was ist Veganismus?

Wie bereits angedeutet, handelt es sich beim Veganismus um eine spezielle, noch weiterreichende Form des Vegetarismus‘. So soll nach Möglichkeit nicht nur auf das Fleisch von extra dafür gezüchteten oder wild gefangenen und getöteten Fischen und Tieren wie Rindern, Schweinen oder Geflügel, sondern auch auf andere Lebensmittel verzichtet werden, für deren Herstellung Tiere herangezogen werden. Besonders prominente Beispiele dafür sind Milch, Käse, Honig oder Eier, aber auch Süßigkeiten, die tierische Gelatine enthalten.

Was ist Veganismus
Was ist Veganismus

Wesentlich beim Veganismus ist zudem, dass der Verzicht auf tierische Produkte nicht nur das Essen, sondern auch andere Lebensbereiche betrifft: Bei Kleidung beispielsweise werden dann unter anderem Wolle, Seide oder Leder vermieden; bei Kosmetika sollten unter anderem kein Lanolin oder Kollagen enthalten sein.

Wie weit der Verzicht im Einzelfall geht und ob auch andere alltägliche Dinge wie Klebstoff noch mit in die kritische Betrachtung aufgenommen werden, hängt von jedem einzelnen Veganer persönlich ab. Oft neigen viele Veganer, die es wirklich ernst meinen aber zu einem sehr umsichtigen, kritischen Verhalten, verzichten lieber einmal mehr als weniger, wenn sie sich unsicher sind. Auch prüfen sie mithilfe von Studien und Datenbanken recht genau, welche Inhaltsstoffe sich in welchen Alltagsprodukten und Lebensmitteln befinden

Dass daraus gewisse Probleme entstehen können (eben weil nicht immer alles ohne weiteres in einer nicht-tierischen Variante sofort verfügbar ist), liegt auf der Hand. Gerade beim Backen braucht es oft auch gute Chemiekenntnisse, wie man Milch und Eier ersetzt. Durch eine gute Vernetzung und viele kreative Ideen können Veganer diese Herausforderungen aber meist sehr gut überwinden.

Kann man wirklich vegan leben?

Der Hauptaufwand bei der veganen besteht eigentlich darin, sich ein gewisses Grundgefühl zu erarbeiten: Welche Lebensmittel sind für eine vegane Ernährung notwendig? Wie tausche ich tierische Produkte in Rezepten gleich- oder sogar noch höherwertig aus (beispielsweise wie die bereits erwähnte Milch und die Eier in Backrezepten)? Wo sind gegebenenfalls tierische Inhaltsstoffe enthalten, wo ich sie vielleicht gar nicht vermuten würde (Fruchtsäfte, die mit Gelatine geklärt werden, Süßwaren, in denen sie ein wichtiger Bestandteil ist, Wein, der mithilfe von Lab produziert wurde oder Margarinen, welche auf Jogurt oder Magermilch basieren)?

Kann man wirklich vegan leben
Kann man wirklich vegan leben

Ansonsten kommen natürlich noch Fragen und Debatten mit dem alltäglichen sozialen Umfeld, manchmal auch noch mit darüber hinausgehenden Kontakten hinzu. Vorbehalte gegenüber der veganen Lebensweise sind nicht selten, werden aber leider auch manchmal durch andere Veganer geschürt, die Vegetarier oder fleischessende Menschen mit missionarischem Übereifer verschrecken. Im Umkehrschluss basieren manche Vorurteile jedoch auf einer Nicht- oder nur unzureichenden Kenntnis dieser speziellen Lebensphilosophie. Wird letztere genauer erklärt, zeigen sich viele Personen sehr offen und achten beim Essen oder bei Geschenken denn auch darauf, dass Veganer gerne zugreifen. In dieser Hinsicht ist lobend zu erwähnen, dass immer mehr Restaurants vegane Gerichte anbieten und diese immer besser werden. Geheimtipps werden also immer häufiger.

Davon abgesehen lässt sich die Frage, ob der Mensch überhaupt vegan leben, sich folglich nur rein pflanzlich ernähren kann, mit „ja“ beantworten. In diesem Zusammenhang ist es aber sehr wichtig, sich mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Co. gründlichst auseinanderzusetzen. Ansonsten kann es gerade bei Kindern, Schwangeren oder Senior*innen zu Mangelerscheinungen kommen.

Was ist gesünder? Vegan oder vegetarisch?

Ob eine vegane oder vegetarische Ernährung gesünder ist, hängt vor allem von der Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und anderen lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen ab. Da beweist unter anderem das vor allem in Fleisch, Eiern und Milchprodukten enthaltene Vitamin B12, dass die Versorgung mit einer vegetarischen Lebensform auch ohne Fleisch ziemlich leicht zu sichern ist. Veganer hingegen können ihren Bedarf nur über pflanzliche Kost kaum decken und sind an dieser Stelle auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen. Womit es sich keinesfalls schlechter leben muss, was aber einen gewissen Mehraufwand bedeutet. (Ähnliches gilt übrigens auch für Calcium oder Jod und Selen, welche ansonsten vor allem in Milch, Käse und Seefisch enthalten sind.)

Davon abgesehen ist der Unterschied zwischen einer Küche, die auf frischen und und unverarbeiteten Lebensmitteln beruht und einer, die nur industrielle Fertigprodukte kennt, enorm. Ein Vegetarier, der ab und an Eier, Käse und Milch konsumiert, kann demnach deutlich und gesünder leben als ein Veganer, bei dem nur Instant-Tütensuppen den Topf küssen. Bei der Gelegenheit merken auch verschiedene medizinische Studien dass zwischen Veganismus und Vegetarismus im Durchschnitt kein eklatanter Unterschied bei den Fitness- und Gesundheitswerten der Teilnehmern feststellbar zu sein scheint. Will heißen: Etwas gemäßigt gut zu machen ist immer besser als etwas hardcore, aber schlecht zu machen.

Ist es gesund, vegan zu leben?

Das kann sein. Es wäre aber ein Fehler, aus einer veganen Lebensweise einen direkten positiven Nutzen für den einzelnen, sein Umfeld oder gleich die gesamte Gesellschaft abzuleiten.

In puncto Ernährung ist es zunächst einmal von großer Wichtigkeit, sich mit sich selbst und seinem individuellen Nährstoffverbrauch genau auseinanderzusetzen und potenziellen Mangelerscheinungen vorzubeugen. Insbesondere Schwangere und Senioren sollten deswegen regelmäßige Blutwertanalysen vornehmen lassen; Kindern sollten aufgrund der komplexen Situationslage bei ihrem Wachstum (beispielsweise in Bezug auf die Ausbildung des Blutes und des Skeletts) lieber vegetarisch als vegan essen.

Überhaupt ist es sinnvoll, sich bewusst und nach freiem Willen für eine vegane Lebensweise zu entscheiden und nicht von anderen dazu gedrängt zu werden. Immerhin handelt es sich eben um deutlich mehr als nur Essen – und selbst das hat schon wesentliche Auswirkungen, und wenn es nur der eigene Körper ist.

Unter dem Strich kann gesagt werden: Wer sich wirklich gut informiert und sich bewusst für oder gegen bestimmte Produkte (seien es Lebensmittel, seien es Kosmetika, sei es Kleidung) entscheidet und auf Chemikalien und Zusatzstoffe verzichtet, der macht sicherlich nichts verkehrt.

Nichtsdestotrotz muss man sich einer Sache auch bewusst sein: So ehrenhaft und so gut wie ein veganer (Ernährungs-) Ansatz ist – im Alltag lassen sich nicht immer alle Inhaltsstoffe herausfinden, nicht alle Restaurants sind immer von Grund auf ehrlich, was vegane Gerichte betrifft und manchmal ist der neue potenzielle Lieblingspullover einfach nicht aus einem anderen Material als aus Schafwolle zu haben. Vegetarismus bedeutet also, Prioritäten setzen zu können, manchmal auch bewusst zu verzichten und dann neue kreative Wege zu finden, sein Ziel doch noch zu erreichen. Und ein bisschen Phantasie und ein maßvoller Plan, bei dem es Tieren und Menschen gleich gut geht, die haben noch nie geschadet.

Was muss man beachten, wenn man auf tierische Produkte verzichten möchte?

Zunächst einmal die gute Nachricht vorab: Wer auf tierische Produkte verzichtet, muss bei den Geschmacksrichtungen keine faulen Kompromisse eingehen. Im Gegenteil: Mit vielen pflanzlichen Produkten lässt sich ebenso gut und deftig kochen wie mit Fleisch, Fisch, Käse und Co. Zudem sind in diversen veganen Kochcommunitys echte Profis am Werk, die Eier oder Milch mit ihren speziellen Eigenschaften beim Kochen oder Backen sehr gut zu ersetzen wissen.

Zu Hause selbst frisch und noch nicht verarbeiteten Lebensmitteln zu kochen ist zwar nicht notwendig, leistet aber einen sehr guten Beitrag zu einer gesunden und gleichzeitig veganen Ernährung. Gerade regional produzierte Waren, deren Herstellungs- und Vertriebsprozesse transparent sind, sind immer eine Unterstützung wert. Alternativ kann ein kompetenter Versandhandel eine gute Lösung darstellen.

Etwas anspruchsvoller wird das Ganze, wenn es um das gesellschaftliche Miteinander mit anderen Personen geht. Auf jeden Fall sollte man Freunden, Verwandten und Kollegen Bescheid sagen, dass man vegan essen und leben möchte und ihnen so die Gelegenheit geben, bei Einladungen zum Essen oder auch bei Geschenken nicht in einen vermeidbaren Fettnapf zu treten. Das sorgt dann beispielsweise beim Restaurantbesuch dafür, dass man nicht aus Versehen in einem Steakhouse landet, wo Salat, Kartoffeln und Gemüse bestensfalls ein kümmerliches Beilagen-Dasein fristen. Dagegen wird in vielen Locations, in denen vegetarische Rezepte schon lange zur kulinarischen Basis gehören, oft auch vegane Variationen zu finden sein. Und wer ein rein veganes Restaurant besucht, kann sich in aller Regel darauf verlassen, dass bei der Zutatenliste nicht gemogelt wird.

Wie bereits angedeutet, hört der Verzicht auf tierische Produkte aber nicht in der Küche auf: Auch Kleidung, Rucksäcke, Taschen, Kosmetika und viele weitere Alltagsgegenstände wie Klebstoff werden bei einer veganen Lebensweise auf Inhaltsstoffe wie Wolle, Leder und Konsorten überprüft. Dies kann sehr langwierig und aufwendig sein, macht sich aber in Form eines guten Gewissens und einer ebensolchen Umweltbilanz hinterher wieder bezahlt. Schließlich schadet es nichts, wenn auf tierisches Leid so weit wie möglich verzichtet wird und andere, innovative Unternehmen gefragter werden.

Ist vegan gut für die Umwelt?

Vegan leben
Vegan leben

Bedauerlicherweise nicht per se: Natürlich ist klar, dass man für die Produktion von Obst und Gemüse meist weniger Ressourcen in Form von Wasser und Land verbraucht. Aber auch einige vegane Fertiggerichte werden in Fabriken hergestellt, die wiederum die Umwelt schädigen können. In diesem Zusammenhang handelt es sich dabei nicht selten um Soja, Kokos oder anderen Exoten, die nicht überall auf der Welt aus regionalem Anbau stammen und deren Herstellungs- und Transportketten zuweilen alles andere als umweltverträglich sind. Deswegen funktioniert vegan nur dann richtig gut, wenn auf saisonale, regionale und biologische Produkte geachtet wird – was natürlich ein gewisses Budget voraussetzt.

Ein Sinn für das richtige Augenmaß ist denn auch bei der Auswahl von Kleidung und Alltagsgegenständen gefragt: Wenn es keine tierischen Inhaltsstoffe sein sollen, wird gerne auf Kunstfasern zurückgegriffen. Solche, die auf Erdöl basieren und die nicht biologisch abbaubar sind, tun der Umwelt jedoch auch keinen Gefallen. Womit keinesfalls gesagt sein soll, dass der Vegetarismus im Vergleich zur Ernährung von Fleisch und der Verwendung von tierischen Produkten nicht doch klimafreundlicher und ökologisch wertvoller ist. Dennoch kommt es sehr auf das individuelle Bewusstsein und Interesse dafür an, was an welcher Stelle hinter den Produkten steckt. Fazit: Veganismus und ein gesundes, umweltfreundliches Leben können einander bedingen – müssen es aber nicht.

Fazit: Warum sollte ich vegan leben?

Eine vegane Lebensweise bietet sich für alle an, die sich mit einem bewussten Konsum gegen das Leid von Tieren in diversen Produktionsketten einsetzen möchten. Studien haben zudem ergeben, dass Veganer durch ihre bewussten Entscheidungen in der Lebensführung oft, aber nicht immer gesünder leben. Gleichzeitig ist nicht erwiesen, dass eine abwechslungsreiche, vegetarische Ernährung oder ein gemäßigter Fleischkonsum deutlich ungesünder seien.

Kernpunkt ist also der bewusste Umgang mit Ressourcen aller Art, wobei schlecht gemacht rein pflanzlich unter dem Strich weniger bringt als gut gemacht gemäßigt-gemischt. Dies trifft insbesondere auf Mangelernährungserscheinungen bei Föten, Kindern und Jugendlichen zu, die sich aufgrund der Ansichten ihrer Erziehungsberechtigten zwangsweise vegan ernähren.

Unter dem Strich sollte man sich eigenverantwortlich für einige Aspekte bewusst entscheiden und nicht alles 110 %-ig erfüllen wollen – weil es sowieso nicht funktioniert. Dann wirkt man auch auf Nicht-Veganer kompetenter und überzeugender und kann eventuell andere sogar ganz entspannt für diesen Lifestyle begeistern.

Christina Koch

Schon viele Jahre beschäftige ich mich mit dem Thema Sport und gesunde Ernährung. Da durfte das Thema Kochen natürlich nicht fehlen. Diesen Blog habe ich als Sammlung für Rezepte gestartet. Dazu gebe ich Euch viele Ratschläge zu häufig gestellten Fragen zum Thema Kochen und backen, Küchenmaschinen und Kochgeräten. Außerdem findet ihr die neuesten Trends zum Thema Ernährung, Küche & Lifestyle.

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