Tomaten – Was macht diese Frucht so besonders?

Auch seltener Paradiesapfel oder nur Paradiesapfel genannt

Rund 25 Kilogramm Tomaten essen Deutsche durchschnittlich pro Kopf und Jahr – bemerkenswert für eine Frucht, von der die Europäer lange nicht genau wussten, ob man sie nun essen oder nur als Dekoration nutzen sollte. Selbst in Italien, im gefühlten Mutterland der runden Köstlichkeit, wurde Mitte des 16. Jahrhunderts noch fleißig debattiert, ob die Tomate dem Körper gut täte oder ob sie depressiv mache und das Denken einschränke. Aber der Reihe nach.

Die Geschichte der Tomate beginnt schon deutlich vor der Ankunft der Europäer in Mittel- oder Südamerika, wahrscheinlich in Peru. Maya und Azteken kultivieren die Nachtschattengewächse, deren Früchte im aztekischen Náhuatl „xitomatl“ (anschwellen) heißen. Christoph Kolumbus und Hernan Cortéz hatten dann im 15. und 16. Jahrhundert auf dem Rückweg von ihren Entdeckungsreisen sowohl Pflanzen als auch Früchte in den verschiedensten Farben im Gepäck.

Und die Tomate selbst? Genoss das sonnige und warme Klima von Spanien, Portugal und Italien und entwickelte sich im Laufe der Zeit immer weiter, bevor sie im 19. und 20. Jahrhundert ihren großen Durchbruch erlebte. Wobei sie sich zu diesem Zeitpunkt schon als „Paradeiser“ „Poma d’ora“ (Goldapfel) oder „Pomme d’amour“ (Apfel der Liebe) in ganz Mitteleuropa einen Namen gemacht hatte …

Ist eine Tomate eine Frucht oder ein Gemüse?

Beides – ein so genanntes Fruchtgemüse. Aber wie kann so etwas zustande kommen? Aufgrund von verschiedenen Definitionen, wenn sich nicht alle, die eine Definition erstellen, so ganz grün sind.

  • Die botanische Definition von Obst sieht vor, dass es aus einer bestäubten Blüte wächst. Mit Gemüse hingegen werden Blätter, Wurzeln und andere Pflanzenteile bezeichnet.
  • Die Lebensmitteldefinition von Obst dagegen sieht mehrjährige Sträucher oder Bäume als Wachstumsquelle vor. Gemüse hingegen wachse an einjährigen Pflanzen.

Die Tomate weiß von all diesen Kategorisierungsideen aber nichts – und bildet ihre Früchte aus Blüten, wobei sie gleichzeitig jedes Jahr neu gepflanzt werden will. Alleine ist sie mit dieser Extrawurst-Rolle aber trotzdem nicht. Zucchini, Gurken, Paprika und Melonen leisten ihr gute Gesellschaft in der Rubrik „Fruchtgemüse“.

Wie viele verschiedene Tomatensorten gibt es auf der Welt?

Die Urtomate, die wohl aus den Bergen Perus stammte, muss wahrscheinlich eine gewisse Ähnlichkeit zu Kirschtomaten besessen haben. Doch schon bevor die Europäer ankamen, nahm sich die lokale Bevölkerung der Pflanzen an und züchtete etwa 200 Sorten. Inzwischen sind gut 3.000 Sorten weltweit bekannt, von denen seit dem 20. Jahrhundert auch in Deutschland viele verschiedene angebaut werden.

Wie viele verschiedene Tomatensorten gibt es auf der Welt?
Wie viele verschiedene Tomatensorten gibt es auf der Welt?

Besonders beliebt sind dabei:

  • Stabtomaten, die mehr als 70 % der globalen Tomatenmenge einnehmen und zu denen unter anderem Kirsch-, Salat- und Wildtomaten zählen. „Stabtomate“ ist aber eher ein Oberbegriff, weil man die bis zu 2 Meter hohen Pflanzen mit Stäben stützt.
  • Strauchtomaten, welche sich sehr leicht in Kübeln auf dem Balkon anbauen lassen.
  • Fleischtomaten, die wenig Gallerte enthalten, aber dafür umso besser gegrillt oder gefüllt werden können.
  • Romatomaten, welche eine tolle Grundlage für Ketchup, Soßen oder einen Butterbrot-Belag bilden oder
  • Wild- und alte Tomatensorten, die es in diversen Farben (auch grün, gelb oder schwarz) zu haben gibt und die oft wenig Säure enthalten – was für empfindliche Mägen natürlich ein echter Segen sein kann.

Doch egal, welche Farbe und wie sie duften – für den Geschmack der Tomate sind vor allem drei Dinge entscheidend: Die Größe, bei der „je kleiner, desto intensiver“ gilt – die Anzahl der Tomaten pro Rispe (je weniger, desto besser) – und der Transportweg (bei dem kürzere Wege das spätere Ernte der dann reiferen Früchte ermöglichen).

Warum sollte man Tomaten bei Diät essen?

Tomaten zu essen, ist aus ganz verschiedenen Hinsichten äußerst sinnvoll: Sie sind gesunde Appetitanreger, sättigen selbst aber recht gut und verhindern auf diese Weise, dass man unzählige leere Kalorien in sich hineinfuttert. Im Gegenzug enthalten sie selbst

  • wenig Kalorien (lediglich 18 kcal pro 100 g frisches Fruchtgemüse),
  • aber 90 % Wasser,
  • 40 mg Vitamin C pro mittelgroßer Tomate (die Hälfte der Tagesmenge, die ein Erwachsener benötigt),
  • entschlackendes Kalium,
  • unter anderem kollagen-erhaltendes und damit Cellulite vorbeugendes Lycopin sowie
  • diverse Antioxidantien, die Zellschäden verhindern.

Man könnte nun also auf die Idee kommen, eine mehr oder weniger strenge Tomatendiät zu planen, bei der bis zu eine Woche lang 3x täglich nur Tomatensaft, frische Tomaten, Wasser, ungesüßter Tee und maximal kleine Gerichte wie ein Omelette gegessen werden. Aber der Aufwand lohnt sich nicht, denn die Gewichtsreduktion von bis zu 5 kg in dieser Woche ist schnell wieder passé. Und eine einseitige Ernährung ist sowieso keine gute Idee.

Dennoch gehören Tomaten unbedingt zu einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährung dazu, weil sie

  • das Immunsystem stärken,
  • basisch und damit blutreinigend und gichtvorbeugend wirken,
  • durch die vielen Antioxidantien als Freie-Radikale-Fänger gutes Tun und Blutgefäßverengungen abfedern, also den Schutz vor Schlaganfällen und Herzinfarkten erhöhen und
  • die Verdauung anregen.

Es lohnt sich also, regelmäßig zuzugreifen. Dann aber am besten bei frischen oder selbsteingemachten Tomatenprodukten, die möglichst wenig Zucker und andere Konservierungsmittel enthalten. Praktisch, dass sich Sugo und Co. unkompliziert herstellen und prima einlagern lassen.

Ist in Tomaten Säure enthalten?

Tomaten enthalten sowohl in rohem als auch gekochtem Zustand eine ordentliche Portion Säure. Tendenziell gilt dabei die Faustformel „Je dunkler die Tomate gefärbt, desto mehr Säure enthält sie“. Kein Wunder, dass weiße und gelbe Tomaten wie

  • Golden Currant,
  • Goldita,
  • Lollipop oder
  • Yellow Pearshaped

sehr beliebt und recht bekömmlich sind. Aber auch viele ältere Sorten wie die Ochsenherz-Tomate oder die Black Cherry kommen für einen Versuch durchaus infrage.

Rote und gelbe Tomaten frisch geerntet
Rote und gelbe Tomaten frisch geerntet

Nichtsdestotrotz sollten Menschen, die zu Sodbrennen neigen, ihren Tomatenkonsum etwas beschränken und das Fruchtgemüse eher selten essen. Das trifft aufgrund von Branntweinessig auch auf eingemachte Tomaten und auf Ketchup (enthält zusätzlich noch Zucker) zu.

Wann sollte man keine Tomaten essen?

Wie bereits angedeutet, ist eine Neigung zu Sodbrennen ein guter Grund, auf Tomaten zu verzichten oder den Konsum zumindest einzugrenzen.

Zusätzlich enthalten Tomaten – wie andere Nachtschattengewächse auch – das Alkaloid Solanin. Insbesondere bei unreifen Früchten ist die Konzentration recht hoch, weshalb sie nicht verzehrt werden sollten. Wird Solanin dem Körper im individuellen Übermaß zugeführt, kommt es zu Steifigkeit, Muskelverhärtungen, Krämpfen oder auch Angriffen auf die Darmwand-Zellwände. Zudem reagieren manche Personen auch mit Schlaflosigkeit.

Aber nicht nur das Solanin, sondern auch die in den Tomaten enthaltenen Lektine führen zuweilen zu Problemen: Ihr Nährwert ist gering, doch das ließe sich sicherlich noch verschmerzen. Ungünstiger ist es, dass die Stoffe, die Insekten und Pilze von den Pflanzen fernhalten, im menschlichen Körper die andere Nährstoffe und deren Aufnahme blockieren. Inwiefern sie problematisch sind, ist jedoch von Mensch zu Mensch und der einzelnen Blutgruppe bzw. den zugehörigen Antigenen abhängig. Stoffwechselstörungen entstehen in diesem Zusammenhang beim A-Antigen von Blutgruppe A und beim B-Antigen der B-Blutgruppe.

Darüber hinaus ist die Vitamin-D-Variante Calcitrol bei einem hohen Konsum an Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Paprika, Auberginen und Kartoffeln im wahrsten Sinne des Wortes mit Vorsicht zu genießen: Es reguliert die körpereigene Kalziumaufnahme und kann für einen Kalziumüberschuss im Blut sorgen. Bei einer verstärkten Ablagerung im Körper kann es zu Schmerzen, Arteriosklerose und Arthritis kommen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Am besten probiert man aus, wie gut man Nachtschattengewächse verträgt. Bei Beschwerden sollten es lieber weniger denn mehr sein – auch, wenn sie ansonsten einen hohen Mehrwert für die Gesundheit bieten. Und ansonsten immer auf vollreifes Fruchtgemüse und einen gesunden Darm achten. Denn auf diese Weise kommen sowieso gleich deutlich geringere Giftmengen im Körper an.

Welche Stoffe sind in Tomaten?

Tomaten sind gleichermaßen lecker wie gesund – sieht man von der Säure, dem Solanin, den Lektinen und dem Calcitrol einmal ab. Schon die alten Griechen wussten eben, dass die Dosis das Gift macht – was aber im Prinzip für alle Lebensmittel und damit auch Obst- und Gemüsesorten zutrifft. Nichtsdestotrotz dürfen es ab und an schon ein Tomatensalat oder eine leckere Pastasoße sein.

Schließlich enthält das Fruchtgemüse eine ganze Reihe von Vitaminen und Mineralstoffen:

  • Vitamin A, mehrere B-Vitamine, Vitamin C und Vitamin E: Darf es etwas für die körpereigenen Abwehrkräfte sein? Oder doch lieber für die Haut beziehungsweise die Blutkörperchen? Aber warum sich überhaupt entscheiden? – Tomaten machen schließlich alle glücklich!
  • Kalium, Magnesium plus Natrium bringen den Stoffwechsel, die Energiegewinnung und die Zellfunktionen auf Trab. Und nebenher wird der Blutdruck reguliert und das Nerven- beziehungsweise das Herzrhythmussystem in den richtigen Takt gebracht.
  • Calcium und Eisen helfen dabei, Zähne und Knochen zu stabilisieren, Zellatmung und -bildung sowie den Sauerstofftransport anzukurbeln.
  • Lycopin: Das fettlösliche, antioxidativ wirkende Carotinoid versteckt sich in der Tomatenschale und entfaltet seine volle, die Zellmembran schützende Wirkung, wenn die ungeschälte Tomate leicht erwärmt wird.
Das Besondere an Tomaten
Das Besondere an Tomaten

Kurz gesagt: Reichlich Wasser, nur wenige Kalorien, einige Ballaststoffe – aber vor allem viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente – frische, vollreif geerntete und selbst verarbeitete Tomaten sind wirklich nicht gerade von schlechten Eltern …

Fazit: Sind Tomaten gesund oder ungesund?

Tomaten sind sehr empfehlenswert – man denke dabei nur an die folgenden Aspekte:

  • Sie schmecken extrem abwechslungsreich und sind daher bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt.
  • Lycopin ist ein echter Alleskönner, der nicht nur die Zellmembran schützt, sondern auch das Herz-Kreislauf-System und wahrscheinlich auch vor einigen Krebssorten wie Brustkrebs schützt.
  • Sie machen schlank und sind ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung, da sie hervorragend mit anderen Gemüse-, aber auch nahezu allen Fisch- und Fleischsorten harmonieren.

Nichtsdestotrotz gibt es auch Fälle, in denen auf den Konsum von Tomaten – gerade am Abend – verzichtet werden sollte:

  • Wenn man zu Sodbrennen neigt, könnte die Nacht schnell unangenehm werden.
  • Falls man eine ausgeprägte Unverträglichkeit gegenüber Solanin, Lektinen und Calcitrol (In diesem Fall ist dann aber auch ein Verzicht auf diverse weitere Nachtschattengewächse wie Paprika, Kartoffeln und Auberginen notwendig.)

Und natürlich ist es wenig lohnenswert, sich nur von Tomaten zu ernähren. Insbesondere am Abend kann es ohne Eiweiß dazu kommen, dass man sich dann noch nicht richtig satt fühlt. Ist dies der Fall, kann es passieren, dass man aufgrund der zügigen Verdauung schnell wieder Hunger bekommt und etwas isst, was man gar nicht wollte.

Übrigens: Richtig gelagert bleiben Tomaten zwischen ein und zwei Wochen frisch. Wichtig ist dabei allerdings, sie nicht im Kühlschrank zu lagern, da sie dort schnell an Geschmack verlieren und voreilig zu schimmeln beginnen. Besser sind schattige Orte, an denen Temperaturen zwischen circa 12 °C und 16 °C liegen. Zusammen mit einem weichen Untergrund (beispielsweise ein mit Küchentüchern ausgelegter Teller, der Druckstellen verhindert) und einer offenen Lagerung mit reichlich Sauerstoff hat man denn auch lange Freude an ihnen. Anderes Obst oder Gemüse sollte sich jedoch nicht in ihrer direkten Nähe befinden: Durch das in ihnen befindliche Ethylen (auch als Ethen bekannt) kommt es bei anderen Früchten zu einem schnelleren Reifeprozess.

Ein Kommentar

  1. Hallo liebe Frau Koch, das ist schön, dass es auch Beiträge über Gewürze, Obst und Gemüse gibt.
    Als ich diesen Beitrag über Tomaten gelesen habe, habe ich viel Neues dazu gelernt. Die Idee mit dem Video finde ich Klasse. Es gibt Menschen, die lieber schauen und zu hören als lesen zu müssen.
    Machen Sie weiter so. Ich bin ihr großer Fan 🍾

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